Vortrag "(Wie) Kann man Fluchtursachen bekämpfen?"

Vortrag von Prof. Dr. Lutz Berger, CAU, Seminar für Orientalistik
Donnerstag, 31.5., 18:15, CAP 2 (Audimax), Hörsaal D
 
Die „Bekämpfung von Fluchtursachen“ ist ein zentrales Thema deutscher

und europäischer Politik geworden. Doch welche Möglichkeiten haben
europäische Staaten, durch eine „Bekämpfung von Fluchtursachen“ die
Einwanderung von Menschen nach Europa zu steuern? Diese Frage soll hier
am Beispiel einer für die Einwanderung nach Europa zentralen Region
näher untersucht werden. 

In einem ersten Schritt müssen dazu zunächst einmal Motive und
Mechanismen der Einwanderung aus dem Maghreb und Westafrika untersucht
werden. Die wenigsten Flüchtlinge, die aus der Region nach Europa
gelangen, sind Kriegsflüchtlinge. Anders als im Falle Syriens sind
Flüchtlinge in afrikanischen Kriegsgebieten meist Binnenflüchtlinge
oder bleiben in den Nachbarländern. Auch fliehen die wenigsten
Menschen, die aus der Region nach Europa kommen, vor absoluter Armut.
Wer sehr arm ist, hat kaum die Möglichkeit, die lange Reise nach Europa
mit Aussicht auf Erfolg anzutreten. Die Einwanderer, die nach Europa
gelangen, verfügen daher meist über im Vergleich zu ihren Landsleuten
gute ökonomische und kulturelle Ressourcen, die sie angesichts der
Unterentwicklung ihrer Heimat nicht ausreichend nutzen können.

Angesichts dessen ist für eine Bekämpfung von Fluchtursachen die
Überwindung der Unterentwicklung der Region zentral. Warum sind der
Maghreb und Westafrika anders als andere Länder (etwa die Türkei oder
Ostasien) nach wie vor von Unterentwicklung und Perspektivlosigkeit der
Jugend geprägt? Der zweite Teil des Vortrags wird die historischen
Ursachen von Unterentwicklung in der Region nachzeichnen und aufzeigen,
wie diese bis heute fortwirken. Unterentwicklung in (Nord)Westafrika
erklärt sich weder durch den Islam noch eine angebliche „afrikanische
Mentalität“ oder die Machenschaften westlicher Kolonialisten und
Großkonzerne. Sie ist das Ergebnis komplexer wirtschaftlicher und
politischer Prozesse, die hier in aller Kürze auf dem aktuellen
Forschungsstand dargestellt werden sollen.

Daraus ergeben sich dann die im dritten Teil des Vortrages
anschließenden Folgerungen, welche die Handlungsspielräume
westeuropäischer Politik deutlich machen werden.