Vortrag: Die Suche nach einem „moderaten Islam“: Saddam Husayn und der Sufism


David Jordan, Ruhr Universität Bochum


16.01.2020, 18:00 - 20:00 Uhr; CAP2 - Hörsaal A

 

Spätestens seit dem 11. September 2001 und dem folgenden Aufstieg islamistischen Terrors erlangte die Suche nach einem „moderaten Islam“ nicht nur in der islamischen Welt, sondern auch im Westen zentrale politische Bedeutung. Die Hinwendung vieler Staaten gerade zum Sufismus ist hierbei keineswegs ein neues Phänomen und kennt durch das 20. Jahrhundert hindurch zahlreiche historische Beispiele. Der Irak unter Saddam Husayn ist eines davon und verdient eine genauere historische Betrachtung, um die aktuelle Krisenlage des Landes besser verstehen zu können.
Seit dem Aufstieg des sogenannten Islamischen Staates (IS) im Irak hat sich die Ansicht verbreitet, Saddam Husayns Baʿṯregime habe nach einer islamistischen Kehrtwende und durch eine gezielte Islamisierungspolitik in den 1990er Jahren dem Islamismus und dem islamistischen Terrorismus nach 2003 maßgeblich den Weg bereitet. Dieser Vortrag ist der Analyse baʿṯistischer Religionspolitik von 1968 bis 2003 gewidmet und zeigt entgegen obiger Auffassung, wie das Baʿṯregime im Kampf gegen radikalen Islamismus gerade Sufismus und Sufis in seine Politik integrierte und so zu einem Wiederaufleben des Sufismus im Irak der 1990er beitrug. Diese Verwicklung und Allianz zwischen dem säkularen Regime und Sufigruppen lebt bis heute in einer wenig beachteten baʿṯistischen Sufimiliz, der Naqshbandi-Armee, fort.