Fach und Geschichte

 

Geschichte des Seminars

Die Orientalischen Studien haben in Schleswig-Holstein eine lange Tradition. Die ältesten im Lande gefundenen Münzen - arabische Silbermünzen aus dem zehnten Jahrhundert - dokumentieren, wie eng die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Mare Balticum und Vorderasien schon im Mittelalter waren. Die Orientreisenden Adam Olearius (lebte 1599-1671) und Carsten Niebuhr (lebte 1733-1815) waren Schleswig-Holsteiner. Orientalische Sprachen waren an der Universität Kiel seit ihrer Gründung im Jahre 1665 mit einer Professur für morgenländische Sprachen vertreten, die eng mit der Theologie verknüpft war. Erster Lehrstuhlinhaber wurde der Orientalist und Theologe Matthias Wasmuth (von 1665-1675). Mit Justus Olshausen (von 1830-1852) löste sich die Orientalistik von der Theologie und gewann ein eigenständigeres philologisches Profil. Zu weiteren bedeutenden Vertretern des Faches, die an der Kieler Universität tätig waren, zählen neben August Dillmann(von 1859-1864), Mark Lidzbarski (von 1896-1907) und Georg Hoffmann (von 1872-1911) vor allem der Philologe Theodor Nöldeke (von 1864-1872) und der Philosoph Paul Deussen (von 1889-1919). Der erste Direktor eines eigenen „Orientalischen Seminars" wurde Georg Jacob (von 1911-29), der zu seinen berühmten Schülern Franz Taeschner (1912 Promotion in Kiel) und Richard Hartmann (1914 Habilitation in Kiel) zählte. Unter ihm wie auch unter seinem Nachfolger Theodor Menzel (von 1929-1937) wurde die Turkologie in Kiel heimisch. Theodor Menzel wurde pensioniert, um an der juristischen Fakultät einen Lehrstuhl für Bauernrecht einzurichten.

Mit Wilhelm Hoenerbach (von 1962-1970) wirkte der seinerzeit bedeutendste deutsche Kenner des spanischen und nordafrikanischen Islam in Kiel. Sein Nachfolger Heribert Busse (1973-1991) tat sich mit Forschungen zu den theologischen Beziehungen zwischen Islam, Judentum und Christentum, zur frühislamischen Geschichte sowie der arabischen und persischen Diplomatik hervor. Unter Ulrich Haarmann (1992-1998) schließlich entwickelte sich die Kieler Islamwissenschaft zu einem Zentrum der Mamlukenforschung in Deutschland. Er war seit dem 1. April 1998 Direktor des „Zentrums Moderner Orient" in Berlin. Am 1. April 2003 übernahm Anja Pistor-Hatam, deren Forschungsschwerpunkt vor allem auf der Geistesgeschichte des modernen Nahen und Mittleren Ostens liegt, den Kieler Lehrstuhl. Zum Wintersemester 2007 schließlich wurde nach dem Auslaufen der Professur für Sinologie am Seminar für Orientalistik eine zweite Professur Islamwissenschaft eingerichtet. Diese hat einen Schwerpunkt auf der modernen Türkei und dem Islam in Deutschland und ist mit Professor Lutz Berger besetzt.