Exkursionen

Ägypten 2017

Iran 2014

Im Islamwissenschaftsstudium sitzt man in vielen Vorlesungen und Seminaren zur Politik, Geschichte und Kultur von Ländern, die man in den meisten Fällen nie betreten hat. So viel man auch liest, es bleibt immer das Gefühl, doch nicht über die Gegebenheiten in einem Land eine Hausarbeit schreiben zu können, in dem man nie gewesen ist. Aus diesem Gefühl ging die Idee für eine Exkursion nach Iran hervor, die dann im Oktober 2014 mithilfe von Prof. Anja Pistor-Hatam, Kaweh Kordouni (die diese auch begleiteten), Dr. Shahriar Sharafat und Arash Guitoo umgesetzt wurde.

So landeten wir an einem trockenen warmen Abend im Oktober dann auf dem Khomeini-Flughafen Iran und fuhren dann, völlig gebannt aus dem Fenster starrend, durch das nächtliche Teheran zu unserem Hotel im Zentrum der Stadt.

Bild Iran 1

Wenn in Teheran, dann sollte man… Ich würde behaupten, wir haben fast alles abgehakt. Gleich am ersten Tag besichtigten wir das Khomeini-Mausoleum und den Friedhof der Märtyrer aus dem iranisch-irakischen Krieg. Das Mausoleum war für die weiblichen Reisenden unserer Gruppe die erste Bekanntschaft mit dem Schador, der eigentlich nur in den Heiligtümern umgelegt werden muss. Hieran ist auch die stilisierte Bedeutung Khomeinis unübersehbar. Unsere Beziehung mit dem Schador sollte eine Hassliebe sein. Zum einen wurde uns beim Anlegen dieses „Monstrums“ stets liebevoll geholfen und man merkte, dass man als Frau noch ganz andere Möglichkeiten hatte mit der örtlichen Bevölkerung Kontakt aufzunehmen, doch zum anderen war es auch einfach eine Quälerei. Das Bettlaken-große Tuch sorgte dafür, dass das Kopftuch nicht mehr hielt und oft stand man unbekleideter da als vorher. In den oft riesigen Moscheeinnenhöfen griff der Wind in unsere Tücher, die wir krampfhaft versuchten an unseren Körpern zu halten. Im Laufe der Zeit arrangierten wir uns dann mit unseren Laken, Freunde sind wir jedoch nicht geworden. Auch der Märtyrerfriedhof hielt neben seiner historischen und sozialen Bedeutung weitere Lektionen in Landeskunde bereit. So stellten wir fest, dass wir als europäische Reisegruppe eine außerordentliche Attraktion darstellten. Überall wurden wir angesprochen, willkommen geheißen, es wurden Fotos gemacht und uns wurde Essen angeboten. So besuchten wir noch eine Reihe Moscheen, den Golestan-Palast und auch den ein oder anderen Basar.

An einem Tag setzten wir uns alle, um dem Staub Teherans zu entfliehen, in unseren liebgewonnen Kleinbus und fuhren in die nahegelegene Stadt Qazvin. Nach kurzer Zeit verließen wir den Smog der Hauptstadt und zur Begleitung der iranischen Technomusik unseres Busfahrers, der ein integraler Teil „unseres Irans“ geworden war, wurde aus der Großstadtumgebung eine Steinwüste. Auch in Qazvin schauten wir uns archäologische und historische Stätten sowie Moscheen an und mussten abermals feststellen, dass eine europäische Reisegruppe eine größere Attraktion als die eigentliche Sehenswürdigkeit sein kann. So entspannten wir uns nach dem Besuch einer bekannten Moschee bei einem Eis, auf das wir von der dortigen Aufsicht in deren Büro eingeladen wurden.

Neben den offensichtlichen touristischen Attraktionen war unsere Reise, gemäß ihrem Charakter als Exkursion, geprägt von Begegnungen mit Institutionen und Körperschaften und spannenden Treffen mit Menschen, die in Iran leben, arbeiten und teils auch aktiv dem derzeitigen Regime entgegen stehen. Den Auftakt machten die Universität Teheran, das Philosophische Institut der Stadt und der DAAD, der uns mit großartigen Reisebekanntschaften ausstatten sollte. Ebenso kamen wir auch durch Aufenthalte in Teehäusern und beim Genuss lokaler Spezialitäten ins Gespräch mit Einheimischen.

Bild Iran 2

In der Universität wurden wir freudig empfangen und von Mitgliedern der historischen Fakultät über den Campus geführt. Wir sahen hierbei die Bibliotheks- und Unterrichtskomplexe und bekamen einen Eindruck davon was es heißt, in Teheran zu studieren. Wie überall wurden wir auch hier herzlich empfangen und mit einem zweiten Frühstück bedacht. Die Mitarbeiter*innen aus dem Geschichtsbereich schilderten ihre Forschungsansätze, wobei die zur Verfügung stehenden Ressourcen und Klassengrößen bei den Geschichtsstudierenden unter uns große Augen hervorriefen. Jedoch hier, wie stärker noch später im Philosophischen Institut, offenbarten sich die Probleme der Wissenschaftler*innen unter dem bestehenden Regime unabhängig zu forschen.

Ein Tag in unserem Programm war für Aktivitäten des DAAD-Büros in Teheran reserviert. Nachdem uns die Organisationsarbeit vorgestellt worden war, ging es zu einem Treffen mit ortsansässigen Kunststudierenden, bei dem man sich über das jeweilige Land des anderen austauschte, aber auch einfach gemeinsame Interessen fand und sich nett unterhielt. Hieraus entstanden Bekanntschaften, die unsere abendliche Freizeitgestaltung während der Exkursion prägten. Wir wurden mehrfach abends abgeholt und lernten Teheran von einer sehr persönlichen und ganz anderen Seite kennen.

Zum Schluss mussten natürlich noch für alle Souvenirs und das eine oder andere Buch für den Uni-Alltag gefunden werden. Insbesondere die Suche nach Postkarten für die Daheimgebliebenen stellte sich hierbei als Odyssee heraus. Noch einmal wurde deutlich, dass der iranische Tourismus scheinbar unter den Sanktionen und dem Eindruck, den potentielle Reisende aus den Medien gewinnen können, schwer leidet. Im Nachhinein könnte man sagen, dass die Suche nach Postkarten das ungewöhnlichste aber zugleich reichhaltigste Sightseeing-Programm überhaupt bot. Wir haben fast jeden Laden in der Stadt gesehen, mit fast jedem ansässigen Händler ein Wort gewechselt und konnten uns inzwischen einigermaßen gut im Labyrinth von Teheran orientieren. Letzten Endes haben wir dann in der hintersten Ecke eines kleinen Buchladens in der Nähe der Universität sogar unsere Postkarten gefunden.

Zusammengefasst  haben wir alle für unser Studium aber auch fürs Leben viel gelernt, so hatten die Frauen unter uns die Kunst einen Schador anzulegen ohne sich auch gleichzeitig das Kopftuch herunterzuziehen zum Schluss fast perfektioniert. Wir haben einen Eindruck davon erhalten was es heißt, als Künstler oder auch als einfache Studentin in einem stark restriktiven Land zu leben und gelernt, dass die Leute dort trotz allen widrigen Umständen die herzlichsten und aufgeschlossensten Menschen sein können.

Wir sagen Danke dafür und für eine großartige Zeit und werden sicher alle auf die eine oder andere Art wiederkommen!

Tunesien 2012